Thoughts // Not a girl, not yet a woman

Thoughts // Not a girl, not yet a woman

Vor dem Gesetz ist jede weibliche Person, die das 18. Lebensjahr vollendet hat, eine Frau. Doch das bedeutet nicht, dass diese Tatsache bis dahin auch im Kopf, geschweige denn im Bauch angekommen ist. Ich persönlich fühle mich selbst in meinen späten Zwanzigern nicht immer wie eine Erwachsene – und genieße es, mich hin und wieder wie ein alberner Teenie aufzuführen. Bin ich da die Einzige? Wenn ich mein Umfeld so beobachte… eher nicht.

Zum Einstieg eine kleine Anekdote: Ich, um die 18, sitze beim Zahnarzt im Wartezimmer. Nach einer Weile wird eine „Frau Imme“ aufgerufen, dann nochmal und schließlich kommt die Sprechstundenhilfe auf mich zu: „Frau Imme, Sie sind dran.“ Plötzlich fällt der Groschen: Ich werde ab jetzt also nicht mehr geduzt. Ich bin jetzt eine Frau.

Seitdem sind fast zehn Jahre vergangen – und ich habe mich daran gewöhnt, als „Frau“ angesprochen zu werden. Dennoch höre ich mich oft zu meinen Freundinnen sagen: „Irgendwie fühle ich mich immer noch wie mit 16, nur mit mehr Lebenserfahrung, Verantwortung und Selbstständigkeit“. Und sie stimmen mir alle zu. Vom Gefühl her bin ich nämlich noch lange nicht in dem „erwachsenen Leben“ angekommen, das ich mir früher vorgestellt habe. Vielleicht liegt das auch daran, dass die einstigen Lebensziele (Ehemann, Haus, Kinder, heile Welt) für mein Leben und das Leben vieler Altersgenossen einfach unrealistisch sind – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Ich habe nun einmal sieben Jahre studiert, koche immer noch mit einer Pantryküche und kann mir kein Auto leisten, geschweige denn überhaupt eins fahren. 
Nicht, dass mich diese Umstände stören – schließlich sind sie irgendwie typisch für meine Generation. In meinem engeren Freundeskreis hat bisher niemand geheiratet, ein Baby bekommen oder ein Herrenhaus mit Garten. Und bisher hat meine biologische Uhr auch noch nicht angefangen zu ticken. Oder höre ich nur nicht richtig hin? Weil die Umstände besser sein könnten, das Konto voller oder die Wohnung größer?

Die Tatsache des Nicht-Erwachsen-Werdens ist allerdings (und zum Glück) ein Phänomen, dass mir auch in meinem Umfeld immer wieder auffällt. Für Männer, die das 32. Lebensjahr bereits vollendet haben, gibt es nichts Schöneres, als sich nach Feierabend vor ihren Flatscreen zu fläzen und ihre gleichgesinnten „Jungs“ in der virtuellen „Party“ zu „treffen“. Dabei ballern sie mit selbst designten Hyper-Hyper-Waffen umher und brüllen nicht selten den Fernseher an – schließlich muss die KD-Rate stimmen. Manchmal sind sie sogar ganz freaky drauf und spielen Fangen in einer der zahlreichen realitätsnah designten Karten und kichern dabei wie Kinder im Phantasialand. In diesen Momenten fühle ich mich plötzlich doch ganz erwachsen – und halte meinem Freund Vorträge darüber, wie man seine Freizeit sinnvoller und altersgemäßer gestalten könnte. 

Vielleicht es es also gerade der Mix aus erwachsen und kindisch, der unsere Generation zu der macht, die sie ist. Die Generation Y, die sich nicht festlegen kann. Die am liebsten alles will, aber dafür möglichst wenig tun. Und das aber bitte auf jeden Fall mit perfekter Work-Life-Balance.
Wenn man Glück hat, schafft man es, beide Seiten zu vereinen: den verantwortungs- und selbstbewussten Erwachsenen, der fest im Leben steht und das Kind, das sich selbst nicht zu ernst nimmt und Spaß am Leben hat. Not a girl, not yet a woman eben. Ich jedenfalls bin sehr froh darüber, dass ich das Kind in mir bewahren konnte. Das von Mama zu meiner Geburt genähte Plüschtier liegt immer noch in meinem Bett, ich personifiziere Alltagsgegenstände und (mit Kulleraugen beklebte) Pflanzen und bin von den popeligsten Filmen, absurdesten Momenten und kleinsten Taten zu Tränen gerührt.
Andererseits stehe ich mit beiden Beinen fest im Leben, genieße mal mehr und mal weniger die Ruhe in meiner kleinen, aber feinen Wohnung und liebe es, mein Umfeld mit gebackenen Köstlichkeiten zu erfreuen. Das Erwachsenendasein hat auf jeden Fall auch seine Vorzüge. Und wer weiß, was es in der Zukunft noch für uns bereithält…

In diesem Sinne:

HONESTLY THOUGH.. 👀#twentysomething

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Omg this is me everyday #icantadult #helpme

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